Jungfrau und Kind sedes sapientiae, Sitz der heiligen Weisheit
Herkunft: Nordspanien, Kastilien, Navarra oder Galicien.
Zeitraum: frühes 13. Jahrhundert.
Höhe: 85 cm
Länge : 23,5 cm
Tiefe : 19 cm
Wichtige Spuren von Polychromie
Linde oder Pappelholz
Im 12. Jahrhundert erscheint die Jungfrau Maria in den Kirchen, majestätisch sitzend und von ihrem Sohn als Thron benutzt. Sie wird Sedes Sapientiae genannt, was Sitz der heiligen Weisheit bedeutet.
Sie wird dann nur noch in ihrer Rolle als Theotokos, der Mutter Gottes, abgebildet. Diese Funktion wurde auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 verkündet, als Christus als Gott geboren erklärt wurde.
Die Figur der thronenden Jungfrau mit Kind war ein ikonographisches Thema, das besonders im Mittelalter in Mode war. Dank der Pilgerreisen wurde dieses Modell überall in Europa abgebildet: in Frankreich, Deutschland, Belgien, den skandinavischen Ländern, England, Italien und Spanien.
Die Jungfrau sitzt auf einem Thron und präsentiert das Christuskind mit ihrer linken Hand. Er sitzt frontal und stützt sich auf ihr linkes Knie.
Die Jungfrau trägt ein geschmeidiges Gewand, ein gegürtetes Kleid mit rundem Ausschnitt und einen Mantel, der in vertikalen Falten über das rechte Knie fällt.
Ihr gekrönter Kopf zeigt feine Züge, eine gerade Nase, einen kleinen Mund und einen kurzen, nach hinten geworfenen Schleier auf der Stirn.
Jesus trägt einen roten Mantel über einer langen Tunika, aus der seine Füße herausschauen.
Die Haltung des Kindes ist nicht so hieratisch und frontal wie im frühen 12. Jahrhundert, dennoch bleibt sein Gesicht den Anbetern zugewandt. Ab dem 13. Jahrhundert sitzt das Christkind außerdem seitlich.
Die Ähnlichkeit zwischen den Gesichtern der Jungfrau und des Christuskindes zeigt, dass es wirklich ein Nachkomme Marias ist. Wir können die Ähnlichkeit in den Profilen und in den Blicken erkennen. Das Aussehen eines Mannes mittleren Alters, das dem Christkind gegeben wurde, soll zum Ausdruck bringen, dass Jesus schon vor seiner Geburt von Maria existierte.
All diese Merkmale erlauben es uns, diese Jungfrau mit dem Kind in Nordspanien anzusiedeln. Diese Skulptur zeigt die vielfältigen Einflüsse, die die spanische Kunst im frühen 13. Jahrhundert erhielt. Mit den Pilgern von Santiago de Compostella, die Einflüsse aus dem französischen Languedoc, Auvergnes und der Ile-de-France mitbrachten, erlebte der Marienkult in Spanien seit dem 8.
Diese spanische Jungfrau mit Kind ist ein schönes Zeugnis der spanischen Kunst des 13. Jahrhunderts.
Literatur
Jacqueline Boccador, Edouard Bresset, Statuaire médiévale de collection, tome I, Les clefs du temps, 1972
Ilene H. FORSYTH, The Throne of Wisdom : Wood sculptures...
Kategorie
15. Jahrhundert und früher Antik Skulpturen von Albino Miranda